Spielleyt RAGNAROEK / ZANTHROPYA EX / ARCTURON / EXCREMENTORY GRINDFUCKERS / ORDEN OGAN / DEBAUCHERY / DARK AGE / DEW-SCENTED / NEAERA
Baden in Blut 2010 - PROMO (Youtube) / DEBAUCHERY (Youtube) / EXCR. GRUNDFUCKERS (Youtube) /
31. Juli 2010: Im Vorfeld zeichnete es sich bereits ab: die Organisation lief sehr routiniert, der Kontakt zu den Bands war sehr locker und angenehm und die Wettervorhersagen deuteten auf einen Wahnsinns-Festivaltag hin im Naturpark Grütt hin.
Gegen 12 Uhr strömten bereits die ersten Besucher gut gelaunt bei Sonnenschein auf's Gelände und machten es sich im Biergarten gemütlich, bis das BADEN IN BLUT Open Air um Punkt 12:45 Uhr von den Trossinger ZANTHROPYA EX eröffnet wurde. Die junge Band ersetzte die verhinderten CYPECORE, die sich durch den Gewinn unseres Blood Battle Bandkontests im März eigentlich den Opener-Platz gesichert hatten. Der fünfer zeigte sich gut eingespielt und präsentierte souverän die Lieder ihrer ersten Alben, einer Mischung aus Death Metal und deutschen Texten. Ein Hingucker ist wie immer Basser Benny, der trotz der hohen Temperaturen auf der Bühne ziemlich lang seine Gasmaske vor dem Gesicht trug. Vor der Bühne tummelten sich zu diesem Zeitpunkt schon ca. 90 Leute und die Weidenkuppel füllte sich mit jeder Minute ein wenig mehr.
Dann kamen die Lokalmatadoren ARCTURON aus Basel an die Reihe, die ihren ausgefallenen Opener-Auftritt von letztem Jahr nachholten und gleich zu Beginn ihres Gigs mit fettem Sound und Keyboard-getriebenen Death Metal à la Hypocrisy aufwarten konnten. Die ebenfalls noch sehr junge Band fegte Songs ihres noch immer unveröffentlichen Debüt-Albums "The eight thorns conflict" (Labels, meldet euch und greift euch diese höchst talentierte Band ab!) von der Bühne und vor allem bei Neu-Sänger Aljosha war seit dem letztjährigen Gig im Sommercasino Basel ein Quantensprung bemerkbar. Basser Yanick, der sich seine schrubbte sich seine Finger blutig und Gitarrist Flo war ständig unterwegs und suchte Augenkontakt zum Publikum.
Zwei sehr gute Opener und danach schon ein erstes Highlight des Tages, die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS. Allesamt volle kanne crazy gekleidet und mit ordentlich Spass inne Backen bewaffnet, kamen, laberten, sangen und gewannen. Wer die Grindfuckers bis dato nicht kannte, merkte schnell, dass hier absolute Vollprofi-Chaoten am Start sind, die auch spielerisch einiges auf dem Kasten haben. Und so feierte der ordentliche Mob vor der Bühne feucht fröhlich zu altbekannten Scherznummern wie "Looking For Grindcore", "Vater Morgana", "Picknick im Zenit metaphysischen Wiederscheins der astralen Kuhglocke" oder "The Final Grinddown" ab. Auch zwischen den Songs konnten die Jungs wunderbar durch gegenseitiges Fun-Dissen unterhalten. Ganz grosses Kino!
ORDEN OGAN gelten als neue deutsche Power Metal Hoffnung, die vielleicht irgendwann den Platz von Blind Guardian einehmen könnten. Die Arnsberger agieren zwar deutlich moderner und mischen viele andere Einflüsse in ihren Sound, aber auf technischer Ebene stehen sie den Krefeldern in nichts nach. Dies wird vor allem bei den beiden lustigen Death Metal Zwischenstücken "Splattered in seconds" und "Splattered in a half minute", die souverän heruntergeholzt werden und bei denen auch das Publikum gut mitfauchen darf, was bei allen sehr gut ankommt. Überhaupt versteht es Frontmann Seeb, mit dem Publikum zu spielen und ist sich seiner Stellung als "Pussy-Band" zwischen all den anderen harten Jungs bewusst. Stimmungs-Höhepunkt war, wie abzusehen, der Single-Hit "We are Pirates", aber auch die Songs aller anderen Alben kamen wunderbar an (sogar das Debütalbum wurde mit "Angels War" berücksichtigt.
Zur Pausenunterhaltung gehörte dieses Jahr endlich wieder eine Mittelalter-Band (RAGNAROEK aus Bregenz), die mitten im Biergarten zwischen den Besuchern zum Tanze einlud und auf Anhieb sehr viele Leute um sich scharte und bereits die "Halbzeit" einläutete. Überhaupt verging die Zeit an diesem Tag wie im Fluge. Kurzweil, Bier und Sonnenschein - ein kleines Blutbad gönn ich mir... ;)
Und dieses Blutbad folgte im Anschluss wieder auf der Bühne in der Weidenkuppel, auf der nun die mit Kunstblut überströmten Death Rocker von DEBAUCHERY standen. Endlich hatten wir es geschafft, die Stuttgarter zu uns einzuladen, denn vom Konzept her passt diese Band zu underem Festival ja wieder der Eimer auf den Arsch. Dies befand auch Frontmann Thomas Gurrath, ein Vollblutmusiker (was für ein Wort in diesem Zusammenhang...^^), der für die Musik sein Referendariat an den Nagel hängen musste. Zu unverständlich wurden seine überspitzten, Blut durchtränkten Texte und das Image der Band aufgenommen. Jedoch wissen alle anwesenden, wie sie die Texte zu verstehen haben und feierten den perfekt aufeinander eingespielten Dreier, der eine perfekte Mischung aus rockigeren und schnelleren Stücken darbot, gnadenlos ab!"Blood for the blood god"!
Die Modern/Melodic Death Metaller DARK AGE hatten anfangs leider etwas mit ihrem Sound zu kämpfen, gingen aber souverän mit den Problemen um und konnten an diesem Tag sicherlich einige neue Fans hinzugewinnen. Im Handgepäck hatten die sympathischen Münsteraner viele aktuelle Tracks vom Album "Acedia" und dem Vorgänger "Minus Exitus" wie "Kingdom Nevercome", "Devote Yourself To Nothing", "10 Steps To Nausea", "Outside The Inside" und den Live-Stampfer "Zeitgeist - Ghost In A Machine", die allesamt sehr gut ankamen.
Nun war es Zeit für die zweite Runde Mittelalterspass im Biergarten - die Sonne ging nun langsam unter und auf dem Gelände waren mittlerweile annähernd 1200 Leute versammelt, bei denen RAGNAROEK nun im Mittelpunkt standen.
DEW-SCENTED zeigten sich danach runderneuert (ausser Sänger Leif und Basser Alex ist niemand mehr vom 2007er Line-Up dabei, als die Band beim Baden In Blut Open Air kurzfristig für die verhinderten Graveworm einsprangen) auf der Bühne und jagten sofort mit ihrem Neo-Thrash und Krachern wie "Turn To Ash", "Cities Of The Dead", "Arise From Decay" oder dem relativ selten gespielte "Soul Poison" los. Die neue Besetzung präsentierte sich perfekt aufeinander eingespielt und gut gelaunt, was sich sofort auf das Publikum übertrug. DEW-SCENTED gehörten wieder zu den Gewinnern des Festivals, was nicht zuletzt auch an der sympathischen Ausstrahlung des Fünfers lag.
Als Headliner fungierten dieses Jahr die Münsteraner NEAERA, die schon seit längerem zur Speerspitze der deutschen Metalcore-Szene gezählt werden müssen. Die tourfreudigen Veganer präsentierten sich ebenfalls sehr sympathisch, Sänger Benny kommunizierte viel mit den Zuschauern, liess den auflplasbaren Morgenstern kreisen und animierte das immer noch sehr aktive Publikum zu einem ordentlichen Circle-Pit, der sich wunderbar an das Rund der Weidenkuppel einfügte. Viel Aktivität vor und auf der Bühne also und natürlich durfte auch die laut geforderte kleine Wall Of Death hier genauso wenig fehlen wie die Hits "Let the Tempest Come", "Armamentarium" oder "I Loathe". Neaera hinterliessen eine sichtlich gut gelauntes Publikum, das den Abend noch ein wenig bei Schwedenfeuer und einigen Drinks ausklingen liess.